Lucky – die Angst in Person


LuckyHallo? Jemand hier?

Man hat mir gesagt, ich könnte hier was über mich erzählen – aber ich weiss nicht so recht…
Na gut, ich versuch’s mal.

Also, man hat mir den Namen Lucky gegeben. „Lucky“ heisst ja eigentlich „glücklich“, dabei fing mein Leben gar nicht so glücklich an. Mitte 2003 wurde ich geboren und musste mich auf Bulgariens Strassen durchschlagen. Das war gar nicht einfach und schön auch nicht. Als Strassenhund zu leben heisst, ums Futter kämpfen und Prügel einstecken.
Seitdem versuche ich, den grösst möglichen Abstand zu Menschen zu halten.

Als mich die Leute vom Tierschutz dann einfingen, dachte ich schon: “Oh je! Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen!“
Dass sich aber alles zum Guten wenden sollte, konnte ich ja damals nicht ahnen.

Lucky im Tierheim HelenenhofMitte 2004 wurde ich nach Deutschland ins Tierheim Helenenhof in Hürth gebracht.
Dort habe ich mich auch überwunden, zu meinen Pflegern ein bisschen Freundschaft zu schliessen – aber alle anderen Menschen: nein danke! (Hab mich lieber in meinem Zwinger verkrochen.)

Doch dann im November ’04 kamen zwei, die ziemlich hartnäckig waren. Die kamen jeden Tag und dann musste ich auch noch mit denen gassigehen! Die hatten zwar ’ne nette Huskyhündin dabei, doch dass interessierte mich nicht sonderlich – ich wollte in meinen Zwinger zurück.
Schliesslich wurde ich auch noch von meinem Pfleger zu denen nach Hause gebracht. Was soll das?? – Lasst mich doch in Ruhe!!

Lucky und ChicaAber was war das?? Ich bekam gutes Futter, wurde gestreichelt und geknuddelt (wollte zwar erst immer zurückweichen – nützte aber nichts) und bekam mein eigenes Körbchen.
Keine Prügel, kein Geschrei und kein Verscheuchen mehr (na ja, ein wenig Schimpfe, als ich ein paar Kissen „untersucht“ habe und mal wissen wollte, wie ein Tisch so schmeckt).
Die Huskyhündin Chica kümmert sich auch ganz toll um mich. Mit der kann ich so richtig schön rumtoben und auch schmusen.

Tja, mittlerweile find ich’s hier wirklich klasse. Ich habe schon viel gelernt („sitz“, „down“, „Pfötchen geben“ und solche Sachen) und darf auch ohne Leine mit Chica auf der Wiese toben. Und mit den drei Katzen, die noch da sind, verstehe ich mich auch ganz gut.
Vielleich war die Namensgebung ja doch eine Vorsehung.

Nur bei Fremden bin ich immer noch vorsichtig – man weiss ja nie!
(April 2005)

Wie die Zeit vergeht! Mittlerweile sind mehr als drei Jahre ins Land gegangen seit ich in meinem neuen Zuhause bin. Und ich habe es bisher nicht bereut. Mir gefällt es hier.
Mit den Katzen komme ich gut parat, auch wenn die eine andere Auffassung von „spielen“ haben als ich.

Lucky und Chica in ÖsterreichZiemlich schnell durfte ich auch ohne Leine über die Wiesen tollen, was ich in den Bergen in Österreich ganz klasse fand (Nur die Autofahrt dahin hätten wir uns sparen können – ich hasse autofahren!). Und hier im Garten darf ich teilweise auch ohne Aufsicht sein (Ich darf mich nur nicht beim buddeln erwischen lassen – das macht aber so’n Spaß!).

Zwischenzeitlich habe ich auch mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft Freundschaft geschlossen. Die kommt regelmäßig, um mit uns Gassi zu gehen. Ab und zu sind ihre Freundin oder ihre Mutter mit dabei, dann kann auch Chica immer mitkommen.
War zwar am Anfang nicht so begeistert, aber jetzt ist es ganz OK – mal was anderes.

Und wenn unsere Rudelführung länger weg müssen (die nennen das „Futter verdienen“ – komisch??!!), dann darf ich mit Chica den ganzen Tag nach draußen, wo wir eine gemütliche Hütte haben mit Stroh drin.
So läßt es sich doch leben!

Ach ja – Chica. Ist zwar ’ne ganz nette, aber zum Spielen auch nicht mehr zu gebrauchen. Die liegt lieber den ganzen Tag faul rum. Aber demnächst soll eine neues Mädel in meinem Alter zu uns kommen. Waren wir letztens anschauen (bäh, schon wieder lange autofahren). Die scheint ganz OK zu sein.
Mal seh’n, wie es wird. Ich werde Euch berichten.
(März 2008)

Lucky und LupaAlso echt klasse! Toller Fang, diese Lupa!
Endlich mal jemand, mit dem ich toben kann, bis der Arzt kommt… oder wir zur Ruhe ermahnt werden.
Und draussen macht das rumstromern doppelt so viel Spass!

Wir sind dann auch ein paar Mal zusammen in Urlaub gefahren – meist in die Berge, wo wir rauf und runter liefen, bis wir nicht mehr konnten…
Und weil unsere Leute wussten, dass wir nicht so gerne Auto fahren (Lupa wurde immer richtig grün im Gesicht), haben wir auch mal ’ne Tablette bekommen und haben die Fahrt deshalb fast verschlafen. Lässt sich so besser ertragen.

Anfang 2009 war mein Frauchen sechs Wochen weg – Kur nannten sie das – und als sie wiederkam, brachte sie die Katze Ronja mit.
Von Kimba waren wir es ja gewöhnt, dass sie mitging, wenn wir zu Hause nur mal ’ne kurze Runde um den Block machten. Mit Ronja war es aber noch viieel besser! Mit der konnten wir auf der Wiese Wettrennen machen und haben uns gegenseitig „gejagt“. Das war ein Spass! Und wenn uns Fremde gesehen haben, waren die immer erstaunt oder auch erschrocken, was denn da so passierte – Hunde und Katzen(?) – lustig!

Im Spätsommer 2009 waren wir dann alle am Meer, was ich auch toll fand. Nur der armen Chica gings da nicht mehr gut und ein paar Tage danach musste sie auf die andere Seite geschickt werden. Schade, hab ihr viel zu verdanken. Vielleicht sehe ich sie ja wieder, wenn ich auch mal dahin muss…
Kimba war kurz danach auch nicht mehr da. Muss irgendwas Schlimmes passiert sein, denn meine Menschen waren sehr traurig.

Dann kam ’ne Zeit, wo es mich ständig irgendwo juckte und zwickte und wenn ich mich kratzte oder versuchte, die Stellen wegzulecken, wurde es nur noch schlimmer. Ich musste dann regelmäßig in die Badewanne – bäh – damit diese komischen kleinen Dinger (Bakterien) weggingen, die das Jucken verursachten.
Und weil ich so ein langes und dichtes Fell hatte, wurde ich im im Sommer immer geschoren. Die Prozedur war zwar nicht so dolle, aber danach war es viel angenehmer. Auch gebürstet zu werden, war immer herrlich, vor allem, weil ich danach immer ein Leckerlie bekommen habe.

Ende 2013 gings mir richtig schlecht. Ich hatte Fieber und bei der Tierärztin bekam ich so ein kaltes Glibberzeug auf den Bauch, damit die in mich reingucken konten. Ich hörte was von „drei Monaten“, konnte mir aber keinen Reim darauf machen. Jedenfalls bekam ich ab da immer ’ne Tablette. Allerdings hatte ich seitdem ständig Hunger, obwohl ich fressen konnte, bis ich platzte. Blöde Situation…

Im Mai 2014 sind wir dann umgezogen in ein großes Haus mit viel Wiese und Wald drumherum. Doch so richtig freuen konnte ich mich nicht mehr darüber, denn der ewige Hunger nervte und meine Kräfte ließen auch langsam nach, so dass ich auch nicht mehr viel mit Lupa spielen konnte.
Meine Menschen merkten wohl auch, dass ich mich langsam für meine letzte Reise bereit machen musste, denn sie schauten sich schon mal nach einem neuen Gefährten für Lupa um. War nicht böse deswegen, denn Lupa brauchte wieder jemandem zum spielen.

Nicht lange danach war es dann soweit, dass ich mich über die Brücke machen musste.
Hatte jedenfalls in den fast zehn Jahren bei meinen Leuten viel mehr (und Gutes) erleben dürfen, als so mancher Kamerad in Bulgarien oder anderswo auf den Strassen.
Also doch „lucky“

Tschüss…
Euer Lucky
(Juli 2014)

Luckys Fotoalbum:

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